Projektstart „Auswirkungen von Radschnellwegen auf eine nachhaltige Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung“

1. Juli 2021

Bildnachweis: VM/Ralph Sondermann

 

Die umfangreichen Konzepte zu Radschnellverbindungen (RSV) in Deutschland, die u. a. in Form von Potenzial- und Machbarkeitsstudien vorliegen, lassen erwarten, dass dieses noch relativ neue Radverkehrsinfrastrukturelement in Zukunft eine wichtige Rolle zur Bündelung und Beschleunigung eines sicheren, effizienten und qualitativ hochwertigen Radverkehrs übernehmen wird.

Bisher sind, im Vergleich zu den zahlreichen Studien und Planungsaktivitäten, jedoch nur wenige Streckenabschnitte für Radschnellwege baulich umgesetzt und für Radfahr*innen zur Nutzung freigegeben (z. B. RSW Frankfurt-Darmstadt als Teilstück mit einer Länge von 3,6 Kilometern zwischen Egelsbach und dem Darmstädter Stadtteil Wixhausen oder RSW Ruhr als 3 km langer Teilabschnitt im Stadtgebiet Gelsenkirchen).

Eine erste Bestandsanalyse dieser, auch organisatorisch und finanziell, anspruchsvollen Radverkehrsinfrastruktur macht deutlich, dass die ursprünglich anvisierten Zeitpläne und Realisierungszeiträume dieser RSV-Projekte aus den unterschiedlichsten Gründen nur selten eingehalten werden konnten – u. a. bedingt durch hohe Qualitätsanforderungen sowie aufwändige Planungs-, Abstimmungs- und Umsetzungsprozesse.

So stehen die zur Realisierung von RSV notwendigen Flächen oft nicht ohne Weiteres durchgängig zur Verfügung oder sie müssen neu aufgeteilt werden. Daher ist städtebaulich und verkehrlich ein Ausgleich mit den verschiedenen Raum- und Nutzungsansprüchen anderer Verkehrsträger und den zu beteiligenden und betroffenen Akteuren erforderlich. Die gemeinsame Suche nach geeigneten Lösungswegen geht einher mit komplexen Abstimmungsprozessen der Akteure.

In einem neuen FoPS-Projekt (FE-Nr. 70.0981) mit dem Titel: „Auswirkungen von Radschnellwegen auf eine nachhaltige Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung“ wurde nun das „Zentrum für integrierte Verkehrssysteme“ vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beauftragt, diese Problematik und die aktuelle Ausgangssituation näher zu beleuchten:

Einerseits ist ein zügiger Ausbau von RSV politisch und auf Bundes- und Landesebene gewollt und es werden hierfür finanzielle Mittel bereitgestellt. Andererseits liegen bisher keine klaren Handlungsweisen und eindeutigen Planungs- und Umsetzungswege vor, damit mögliche Erfolgsfaktoren effektiv ausgeschöpft und denkbare Hemmnisse möglichst vorausschauend abgebaut bzw. vermieden werden.

Das im Mai 2021 gestartete, 18-monatige Projekt zielt darauf ab, die erheblichen Wissenslücken bei RSV zu schließen, um damit zu einer beschleunigten Umsetzung beitragen zu können. Mit dem Vorhaben sollen auch die Wechselbeziehungen von RSV zu ihrem unmittelbaren Einzugsgebiet, zu komplementären Verkehrsträgern und zum Städtebau identifiziert und untersucht werden.

Anhand von Best Practice Beispielen werden die anstehenden RSV-Vorhaben herangezogen, die verfahrensleitend bzw. verfahrensbeschleunigend wirken. Ein wichtiges Projektergebnis soll dabei der geplante Handlungsleitfaden sein, der, je nach Projekt und Planungsraum, den verantwortlichen Akteur*innen konkrete Hilfestellungen für eine erfolgreiche und möglichst schnelle Umsetzung ihrer Radschnellwege liefert.

Das FoPS-Projekt hat außerdem den Anspruch, sich verstärkt Forschungsfragen nach den verkehrlichen Effekten von Radschnellverbindungen zu widmen, wie z. B.: In welchem Umfang tragen RSV zur Mobilitätswende und damit zur Reduzierung der unerwünschten Auswirkungen des Verkehrs auf die Umwelt bei?